Künstliche Intelligenz hat rasch Einzug in den britischen Geschäftsalltag gehalten. Laut der jüngsten UK Business Data Survey nutzen mittlerweile 41 Prozent der Unternehmen, die mit digitalen Daten arbeiten, KI für mindestens einen Zweck. Bei großen Unternehmen liegt dieser Anteil bereits bei 82 Prozent.
Diese Zahlen deuten darauf hin, dass die Einführung an sich zunehmend an Bedeutung verliert. In einem neuen Artikel für Business Matters argumentiert die internationale Unternehmerin und Investorin Nicole Junkermann, dass sich die Aufmerksamkeit nun darauf verlagern muss, was Unternehmen tatsächlich mit der Technologie tun und wie tief sie in ihre Arbeitsabläufe integriert wird.
Die Lücke ist nach wie vor beträchtlich. Nur 21 Prozent der Unternehmen, die bereits KI einsetzen, geben an, dass ihre Tools in bestehende Geschäftssysteme integriert sind. Viele der gängigsten Anwendungsfälle konzentrieren sich weiterhin auf Aufgaben wie Recherche, das Zusammenfassen von Informationen und das Verfassen von Berichten oder Korrespondenz.
Diese Anwendungen sind nützlich und können den Mitarbeitern viel Zeit sparen. Junkermann argumentiert jedoch, dass der größere wirtschaftliche Nutzen erst dann zum Tragen kommt, wenn Unternehmen beginnen, KI tiefer in ihre Betriebsabläufe zu integrieren – von Kundenbeziehungen und Produktentwicklung bis hin zur Nutzung firmeneigener Daten und zur Entscheidungsfindung.
Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass sich bereits Produktivitätssteigerungen abzeichnen. Eine vom Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Technologie veröffentlichte Studie ergab, dass 56 Prozent der Unternehmen, die KI einsetzen, von einer gesteigerten Mitarbeiterproduktivität berichten. Umsatzsteigerungen lassen länger auf sich warten: 77 Prozent geben an, bislang keine Veränderungen festgestellt zu haben.
Diese Verzögerung ist nicht unbedingt überraschend. Zeitersparnisse bei bestehenden Aufgaben können die Produktivität relativ schnell verbessern, während es länger dauert, diese Effizienzgewinne in bessere Produkte, zusätzliche Kunden oder neue Einnahmequellen umzusetzen. Für Führungsteams besteht die Herausforderung nun darin, herauszufinden, wo KI das Geschäft grundlegender verändern kann, anstatt lediglich bestehende Aufgaben zu beschleunigen.
Dies gewinnt auch für Investoren zunehmend an Bedeutung. Wie Junkermann schreibt, wird die Frage, ob ein Unternehmen „KI einsetzt“, zunehmend zu einer ziemlich bedeutungslosen Frage. Wichtiger ist, wo die Technologie im Unternehmen angesiedelt ist, welche Prozesse sich dadurch verändert haben und ob diese Veränderungen messbare Verbesserungen bewirken.
Für Großbritannien deutet dies auch auf eine Chance hin, die weit über den Wettlauf um die Entwicklung bahnbrechender KI-Modelle hinausgeht. Das Vereinigte Königreich verfügt bereits über fundiertes Fachwissen in verschiedenen Branchen, darunter Finanzdienstleistungen, Biowissenschaften, professionelle Dienstleistungen und die Kreativwirtschaft. Wenn Unternehmen in diesen Sektoren KI effektiv integrieren können, könnten die kumulativen Auswirkungen auf die britische Produktivität beträchtlich sein.
Die neuesten Einführungszahlen zeigen, dass die ersten Versuche bereits in vollem Gange sind. Die größere Herausforderung besteht nun darin, diese Begeisterung in dauerhafte Veränderungen in der Art und Weise umzusetzen, wie Unternehmen arbeiten, im Wettbewerb bestehen und wachsen.